Gute Anleger kaufen Aktien, wenn diese günstig zu haben sind. So profitieren sie von den zum Teil starken Schwankungen an den weltweiten Börsen. Doch wann ist eine Aktie eigentlich günstig und wann ist sie zu teuer?

Man könnte meinen, dass eine Aktie dann günstig ist, wenn der Aktienkurs in den letzten Wochen, Monaten oder Jahren stark gefallen ist. Wer jedoch nur darauf schaut, ist schlecht beraten. Denn das Kursniveau im Verhältnis zu früheren Zeitpunkten sagt nichts darüber aus, ob eine Aktie gerade besonders günstig ist oder nicht. Aktienkurse fallen aus vielen Gründen: Politische Entwicklungen, allgemeiner Trend, aber natürlich auch aufgrund von Gewinnwarnungen des Unternehmens, schlechter Zukunftsprognose usw.

Besser ist es daher, auf gewissen Kennzahlen zu setzen, wenn es um die Bewertung einer Aktie geht. Viele Investoren schauen hier u.a. auf das sog. KGV – das Kurs/Gewinn-Verhältnis. Denn es gibt darüber Auskunft, ob eine Aktie tatsächlich eher niedrig oder eher teuer bewertet ist.

Worum geht es beim KGV?

Das KGV beschreibt das Verhältnis von Aktienkurs und Unternehmensgewinn pro Aktie. In kurz:

KGV = Aktienkurs / Unternehmensgewinn pro Aktie

Vereinfacht gesagt kann man mit dieser Bewertungsmethode also ermitteln, wie lange man brauchen würde, um den Kaufpreis (also den Aktienkurs z.Z. des Erwerbs) auf diesem Wege wieder herauszuholen (Unternehmensgewinn pro Aktien).

Je niedriger das KGV ist, desto schneller verdient das Unternehmen das, was du aktuell für eine Aktie bezahlen musst. Eine ähnliche Rechnung würde man ja beispielsweise auch beim Erwerb einer Immobilie, die vermietet werden soll, anstellen.

Es ist jedoch auch wichtig, dass man beim Blick auf das KGV nicht Äpfel mit Birnen vergleicht. Der absolute Wert eines KGV sagt noch nicht genug aus. Man muss genauer hinsehen, um eine „günstige“ Aktie identifizieren zu können.

Was muss man beim Blick auf das KGV beachten?

Ich selbst habe Aktien von Amazon im Depot. Amazon hat ein dreistelliges KGV und damit ein äußerst hohes. Trotzdem legt der Aktienkurs von Amazon immer weiter zu.

Dann gibt es wiederum andere Unternehmen, wie z.B. Daimler, die selten in den Bereich eines zweistelligen KGV vorstoßen.

Bedeutet das jetzt, dass Daimler im Vergleich zu Amazon 10-mal günstiger zu erwerben ist? Nein, das bedeutet es nicht. Auf folgende Aspekte muss man achten:

Branche

Bestimmte Branchen (z.B. der Automobil- oder der Bankensektor) haben traditionell ein eher niedriges KGV. Das liegt daran, dass die Gewinne solcher Unternehmen besonders stark auf das auf und ab der Konjunktur reagieren. Es kann daher schnell vorkommen, dass es zu Verlusten kommt. Für Aktien dieser Branchen gilt ein KGV von 15 bereits als teuer.

Aktien wachstumsstarker Branchen hingegen können auch noch mit einen KGV von 50 günstig sein, wenn die Anleger hier massive Zuwächse in den kommenden Jahren erwarten.

Dividende

Das KGV misst nicht, was die Unternehmen an Dividende ausschütten. Viele Anleger möchten aber gerade durch Dividenden ein schönes, passives Einkommen haben und setzen daher eher auf Dividenden als auf einen erhofften Kursgewinn. Daher akzeptieren Anleger oftmals auch ein höheres KGV, sofern die Dividendenrendite höher ist.

Psychologie

An der Börse wird die Zukunft gehandelt. Die Solarbranche galt viele Jahre lang als Zukunftsbranche. Daher wurden äußerst hohe KGVs akzeptiert. Heute sieht das infolge der zunehmenden Konkurrenz und des damit verbundenen enormen Preisdrucks ganz anders aus.

Konjunktur

Befindet sich die Wirtschaft in einer Wachstumsphase oder in einer Rezession? In einer Rezessionsphase wird die Messgröße KGV nämlich oft unbrauchbar, da die Unternehmen weniger Gewinn oder gar einen Verlust erzielen.

Infolge dessen kommt es zu übertrieben hohen KGVs. Und natürlich hat sich die Berechnung in dem Moment erledigt, in dem die Gewinne zu Verlusten werden, weil sich das KGV nicht mit negativen Zahlen berechnen lässt.

Gibt es eine Faustregel?

Du hast gesehen, dass es auf verschiedene Faktoren bei der Aussagekraft des KGVs ankommt. Wie kann man nun am besten vorgehen um zu bestimmen, ob eine Aktie gerade „billig“ ist?

  • Grundsätzlich gilt: Je niedriger das KGV, desto günstiger ist die Aktie. Investment-Legenden wie Warren Buffett oder Benjamin Graham wendeten über Jahrzehnte hinweg die Maxime an, wonach der Gewinn auch an der Börse im günstigen Einkauf liege. Sie kauften nur Aktien mit niedrigem KGV, meist deutlich unter 15.
  • Das KGV kann jedoch nur eine von vielen Kennzahlen sein. Nimm daher das KGV der entsprechenden Aktie und vergleiche dieses mit KGVs anderer Unternehmen derselben Branche. So kann man zumindest schauen, ob das Unternehmen im Vergleich zum Wettbewerb günstig bewertet ist.
  • Auch die Dividendenrendite sollte als zusätzliches Element mit einbezogen werden.
  • Schließlich würde ich eine vermeintlich günstige Aktie auch nur dann ins Depot nehmen, wenn sie einen Aufwärtstrend vorweisen kann. Ich habe schlechte Erfahrungen damit gemacht, in ein fallendes Messer zu greifen. Das zeigt auch ein alter Börsenspruch: „Was billig scheint, kann leicht noch viel billiger werden!“
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4 thoughts

  1. Hallo,
    leider ist das KGV nicht wirklich die Bibel für den Aktienkauf?! Generell wird für das KGV der aktuelle Kurs und die Vergangenheit vom Gewinn verwendet – hatte die Firma vielleicht nur ein tolles letztes GJ und das aktuelle wird Verluste bringen? Vor dem KGV würde ich noch das persönliche Vertrauen in die Branche, die Historie der Firma und den aktuellen Infos vom Unternehmen setzen. Vorausgesetzt man will auch langfristig investiert bleiben.
    Viele Grüße
    Bergfahrten

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