Ihr habt vielleicht festgestellt, dass ich die letzten drei Wochen keinen Beitrag auf meinem Blog veröffentlicht habe. Dies lag daran, dass ich erst vorgestern wieder aus dem Familienurlaub zurückgekehrt bin. Etwas mehr als zwei Wochen haben wir es uns auf der Mein Schiff 5 bei einer Karibikkreuzfahrt gutgehen lassen 🙂

Der heutige Beitrag entstand während dieses Urlaubes, während ich gerade bei dreißig Grad vor der karibischen Insel Dominica mit einem Pina Colada in der Hand auf dem Pooldeck lag und das Leben genoss.

Kein Stress, keine Arbeit und keine Verpflichtungen – einfach nur die Seele baumeln lassen und glücklich sein.

Es ist schon erstaunlich, wie groß der Unterschied zwischen einem Urlaubstag und einem ganz normalen Arbeitstag im Februar in Berlin ist. Es wird mir daher schwer fallen, nach dem Urlaub wieder in den Arbeitsalltag zurückzufinden (auch wenn ich meinen Job mag).

Ich frage mich, wie es wohl wäre, wenn ich jeden Tag so verbringen könnte. Es muss ja nicht immer die Karibik sein. Allein die Freiheit zu haben, meinen Tag selbst bestimmt zu gestalten – völlig unabhängig von einem Arbeitgeber – klingt doch sehr verlockend.

Man hört viel von der sog. finanziellen Freiheit, die genau das verspricht. Viele sprechen darüber, viele streben sie an. Nicht auf andere angewiesen zu sein, nicht mehr arbeiten zu müssen, sondern ausschließlich das Leben führen zu können, das man für sich gewählt hat – einfach herrlich! Und wenn mir langweilig wird, kann ich ja auch weiterhin zwei bis drei Stunden am Tag meiner Tätigkeit als Steuerberater nachgehen – ganz freiwillig versteht sich.

Ich frage mich jedoch, ob die finanzielle Freiheit tatsächlich so erstrebenswert ist. Zugegeben, wenn ich sie bereits erreicht hätte, würde ich nicht zurück tauschen wollen. Aber leider ist es bei mir noch lange nicht soweit, dass ich ausschließlich von meinem Vermögen leben kann.

Wieviel Geld benötige ich um finanziell frei zu sein?

Um finanziell frei zu werden, benötigt man Vermögen. Dieses muss so angelegt sein, dass man von den Erträgen sämtliche Ausgaben tätigen kann.

Wenn man nicht gerade im Lotto gewinnt, ist es daher notwendig, regelmäßig Geld zu sparen. Dieses muss dann angelegt werden, damit es für mich arbeiten kann und Einkünfte erzeugt. Das können zum Beispiel Zinsen, Dividenden oder Mieteinnahmen sein. Wenn die so gewonnenen Einkünfte irgendwann groß genug sind, um die Ausgaben vollständig zu decken, ist man finanziell frei.

Doch wie viel Geld muss man eigentlich genau ansparen, damit man nicht mehr arbeiten muss und für den Rest des Lebens von den Erträgen seines Vermögens leben kann?

In der Finanz-Community wird als Daumengröße oft das 25-fache der jährlichen Ausgaben genannt (in Anlehnung an die 4%-Regel). Um eine grobe Schätzung des anzusparenden Vermögens zu erhalten, sollte diese Daumengröße (trotz aller kontroversen Diskussionen) für mich zunächst ausreichend sein.

Im zweiten Schritt ist es erforderlich, sich einen Überblick zu den jährlichen Ausgaben zu verschaffen.

  • bei jährlichen Ausgaben von 36.000 Euro wird dann ein Vermögen von ca. 900.000 EUR benötigt
  • bei jährlichen Ausgaben von 30.000 Euro wird dann ein Vermögen von ca. 750.000 EUR benötigt
  • bei jährlichen Ausgaben von 24.000 Euro wird dann ein Vermögen von ca. 600.000 EUR benötigt

Puh – das ist ganz schön viel…

Um das Ziel der finanziellen Freiheit irgendwann erreichen zu können, müsste ich mich heute also sehr einschränken und versuchen, meine Ausgaben deutlich zu reduzieren. Dies ist gleichbedeutend mit einem umfassenden Konsumverzicht.

Möchte ich das wirklich?

Unnötige Ausgaben zu reduzieren und nicht das gesamte Geld zu konsumieren ist absolut sinnvoll. Allerdings habe ich persönlich keine Lust darauf, mich jahrelang in großem Umfang einzuschränken, um irgendwann einmal nicht mehr arbeiten zu müssen.

  • Wer nur spart, nimmt nur noch eingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teil: Man geht beispiesweise nicht mehr so häufig mit Freunden Essen oder etwas Trinken oder man gilt schnell als komischer Kauz.
  • Meine Frau und ich haben vor einigen Jahren ein Haus gekauft, das wir noch einige Jahre abbezahlen müssen. Es war immer mein Traum, ein Eigenheim zu besitzen und meine Kinder dort groß werden zu lassen. Es kommt für mich nicht infrage, in eine günstige (und kleinere) Mietwohnung zu ziehen um Kosten zu sparen.
  • Außerdem habe ich keine Lust, jeden Euro zweimal umzudrehen, bevor ich mir etwas gönne. Ich arbeite hart und möchte mir von diesem Geld auch die Dinge kaufen, nicht alles sparen.
  • Ich habe zwei Kinder. Meine Tochter kommt dieses Jahr in die Schule und mein Sohn geht in den Kindergarten. Ich möchte meinen Kindern etwas bieten. Wer Kinder hat weiß, dass immer größere Anschaffungen anstehen: Mal ein neues Fahrrad oder ein neues Kinderzimmer, ein anderes Mal ein Laptop oder ein Smartphone.
  • Auch sind gemeinsame Urlaub deutlich teurer. Mit Kindern kann man ausschließlich in den Schulferien verreisen, wo die Preise hoch sind. Zudem zahlen Kinder bereits ab dem 2. Lebensjahr den vollen Flugpreis (unsere 14-tägige Kreuzfahrt – All Inclusive – war günstiger als die Flüge nach Barbados für uns vier…). Die Alternative würde also bedeuten, auf diesen „Luxus“ zu verzichten und beispielsweise nicht mehr drei Mal im Jahr sondern maximal einmal jährlich in den Urlaub zu fliegen. Zudem schiede dann eine erlebnisreiche Fernreise aus. Aus Kostengründen käme lediglich ein Urlaub an der Mecklenburgischen Seenplatte infrage (bitte nicht falsch verstehen, das ist eine tolle Region um Urlaub zu machen – aber nicht vergleichbar mit der Karibik :-)).

Meine Antwort lautet daher: Nein!

Das bedeutet im übrigen nicht, dass ich kein Sparziel definiert habe – ganz im Gegenteil. Meine Frau und ich sparen monatlich 20% unseres Nettoeinkommens und legen dieses Geld gewinnbringend an. Allerdings wird dieser Betrag nicht reichen, um finanziell frei zu werden.

Uns das ist für mich auch in Ordnung! Im Gegensatz zu anderen war ich schon immer jemand, der nicht in Extremen denkt. Meine Lebensphilosophie lautet nicht „ganz oder gar nicht“. Ich suche vielmehr nach einem guten Mittelweg – für mich ist immer alles eine Frage der Balance.

Und so ist es auch wenig verwunderlich, dass sich diese Einstellung auch beim Thema Finanzen zeigt. Finanzielle Freiheit zu haben mag toll sein. Ich möchte mich jedoch nicht über die Maßen anstrengen um diese zu erreichen und vieles aufgeben, was mir wichtig ist. Gleichzeitig möchte ich aber auch nicht mein Leben lang 40 Stunden und mehr die Woche arbeiten.

Meine Mittelweg lautet daher

  • Regelmäßiges sparen anhand eines klar definierten Sparziels
  • Investition des angesparten Betrages in Vermögenswerte (Aktien, ETFs usw.)
  • Laufende und kritische Überprüfung sämtlicher Ausgabepositionen
  • Reduktion derjenigen Positionen, die für mich nicht wichtig sind und Investition des so gewonnenen Kapitals
  • Aufbau mehrerer Einkommensströme (z.B. Dividenden, P2P usw.)
  • Sobald die getätigten Investitionen eine hinreichende Größenordnung erreicht haben: Reduktion der Arbeitszeit auf 4 Tage pro Woche (später ggf. auf 3 oder gar 2 Tage pro Woche)

Eine vollständige finanzielle Freiheit werde ich so zwar vor Eintritt der Rente wohl nicht erreichen. Allerdings erhoffe ich mir davon eine Erhöhung der Lebensqualität.

Denn das könnte man wohl als mein ultimatives Ziel bezeichnen:

  • Finanziellen Sicherheit für meine Familie und mich
  • Erhöhung der Zeit, die ich vollkommen selbst bestimmt zur Verfügung habe
  • Haltung meines Lebensstandards

🙂

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10 thoughts

  1. Hallo,
    super geschrieben, dies entspricht voll uns ganz meiner Einstellung. Zudem habe ich auch zwei Kinder im gleichen Alter und kann das, was Du geschrieben hast nur unterstreichen. Ich gehe / wir gehen den gleichen Mittelweg wie Du / Ihr. Und ich glaube, wir beschreiten den richtigen Weg.

    Mach weiter so und alles Gute!

    VG, Konrad

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    1. Hallo Konrad,
      naja, viele Wege führen nach Rom. Und es gibt keinen richtigen oder falschen Weg – nur den persönlichen und zufriedenen. Wie lange ist noch dein Weg und Job zur staatlichen Pension?
      Viele Grüße
      Bergfahrten

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      1. Hallo Berfahrten,

        ….ich bzw. wir haben noch einen langen langen Weg vor uns. Das kannst Du ja auch auf meinem Blog verfolgen (http://projekt515.blogspot.com/). Da wo Du bereits bist, da wollen wir ungefähr hin. Aber das ist mit Family und 2 Kindern gar nicht so einfach. Aber gut Ding will Weile haben….ich bleibe stetig und stur am Ball und hoffe, irgendwann in Deine Regionen vorstoßen zu können.

        Viele Grüße
        Konrad

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  2. Hallo,
    – Warum sollte eine gemietete Wohnung/Haus kleiner sein? Wohnen kostet unabhängig ob gemietet oder gekauft. Ein Eigenheim zu besitzen ist sicherlich schön, aber eigentlich haben die meisten Personen dadurch unvorstellbare hohe Schulden bei der Bank für Jahrzente.
    – Warum sollte man nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen? Eigentlich geht es darum ein Kompromiss zu finden. Ich finde es auch ganz nett beim StopOver in New York oder Singapur auf die Rooftopbar zu gehen und dort kostet halt ein Cocktail 30USD. Ob man das (wie viele Personen, die dort anzutreffen sind) als allwöchentliche AfterWork Destination benötigt, ist eine andere Frage. In Deutschland muss man sich sicherlich nciht über die Preise in der Gastronomie beschweren. Wenn ich hier in eine Privatbrauerei gehe, bezahle ich für 3 Personen mit Essen und je 1-2 Getränken kaum mehr als 50€ (1 Kleinkind, 2 Erwachsene). Und mehr als 2-3 Mal im Monat im Schnitt übers Jahr hätte ich dazu auch gar keine Lust. Und ich rede hier von Raum Stuttgart, Karlsruhe, Frankfurt.
    – Auch wenn ich hart arbeite, brauche ich mir nichts kaufen, um mich für die Arbeit zu belohnen. Jeder Kauf und jeder zusätzliche Gegenstand muss mir auch was bieten. Der Kauf ansich ist nichts emotionelles, was mich befriedigt.
    – Sicherlich würde ich nicht an meinen Kindern sparen. Aber ob der Urlaub in der Karibik sein muss??? Dann lieber nur 4 Tage die Woche arbeiten und mehr für die Kinder dasein und hier eine Sandburg bauen. Ich sehe das auch bei uns im Bekanntenkreis. Mutter und Vater 10h am Arbeite inkl. Pendeln, damit der teure Kinderwagen, zwei Babybomber („SUV“), ein komplett ausgestattetes Kinderzimmer (für den Säugling) und mindestens 160m² inkl. Putzfrau zur Verfügung stehen. Die Frage ist, ob das Kleinkind das alles braucht, oder eher die Eltern 😉
    Allerdings kann ich das auch nachvollziehen: Meine Frau und ich betreuen ehrenamtlich Kinder zw 8-11 Jahre nach der Arbeit. Bereits in dem Alter sind IPhones, Markenklamotten, Autos und Urlaub das Wichtigste, womit sich die meisten Kinder identifizieren. Und das mit 10 Jahren! IPhones werden mittlerweile eingesammelt, es gibt ein einheitliches Vereinshirt und die Eltern werden angehalten ihre Kinder zu Fuß bzw. mit Fahrrad zum Sport zu schicken (anstatt Elterntaxi).
    – In den Ferien zu verreisen muss nicht teuer sein. Auch wir sind (freiwillig) durch unsere ehrenamtliche Tätigkeiten auch schon an die Schulzeiten gebunden: ich habe gerade einen Wochentrip über Pfingsten geplant. An Christi Himmelfahrt hin, am Pfingstwochenende zurück. Deutsche Bahn 1. Klasse ~35€ p.P. pro Strecke SuperSparTicket. Das Ferienhaus an den Nordfriesischen Inseln 350€ pro Woche, Mietwagen 18€ am Tag. Letztes Jahr waren wir mit Womo in USA unterwegs, auf Teneriffa und auf den Kykladen, in Summe ~10 Wochen. Nirgends haben wir mehr als ~900€ pro Woche gebraucht komplett für alles. Noch kinderlos waren wir überall unterwegs: quer durch Afrika mit Jeep, Java, Borneo, mehrmals USA/Kanada, Peru… Mit Kinder wurde deutlich günstiger 😉
    – Aktuell 70% Sparquote mit ~1,5 Einkommen. Kommt halt auch etwas aufs Einkommen an, wobei wir sicherlich keine Spitzenverdiener sind (Produktmanager und Ingenieur 30 Jahre alt).

    Grüße, Chris

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  3. Hi Oliver,
    Schöner Artikel – danke dafür. Ich denke, dass es zwei Wege in Richtung finanzielle Freiheit geben kann. 1) Durch Reduktion der Kosten und 2) Steigerung der Einnahmen/des Vermögens.
    Dein Herangehensweg scheint klar in Richtung 2 zu gehen. Ich denke, dass dies auch der smartere Weg ist, da keine Grenzen bestehen, während Frugalismus bei 1) sicher irgendwann an Grenzen stoßen wird.
    Viel Erfolg Dir weiterhin & viele Grüße
    MFF

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  4. Schließe mich den Kommentaren vorher an. Toller Artikel und genau die richtigen Worte gefunden. Ich glaube, ohne auf den totalen Verzicht hinzuarbeiten, ist mit Familien nur schwer FF möglich. Außer man verdient deutlich über dem Durchschnitt. Mir persönlich ist wichtig eine gewisse Sicherheit als erstes zu erreichen und dann schauen was kommt.
    Der unglaubliche Boom ist, wenn man zusätzlich mit vermieteten Immobilien arbeitet. Eigenkapitalrendite von bis zu „unendlich“ möglich. (Mal die Nachteile von dieser Asset-Klasse außen vor gelassen).
    Dir weiterhin viel Erfolg und viele Grüße
    Chris

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  5. Der Artikel ist gut geschrieben. Jeder Mensch definiert es aber eben anders, was im Leben „benötigt“ wird und was nicht. Ich habe beispielsweise ein ganz anderes leben als du, ich bin mit 38 Jahren alleinstehend (die Richtige ist mir halt noch nicht begegnet) und muss mir somit über einige Sachen keine oder nicht so viele Gedanken machen. Ich bin nach einigen Jahren als ich eine sehr hohe Sparquote hatte und gleichzeitig auf viel Konsum verzichtete dazu übergegangen, mir auch etwas mehr zu „gönnen“. Meine Sparquote habe ich nach unten reduziert und bin dazu übergegangen, auch schon heute mit meinem Geld etwas zu kaufen. Allerdings stelle ich mir gerne vor jedem Kauf oder vor jeder Urlaubsbuchung die Frage, ob mich die Sache oder das Erlebnis glücklicher macht. Bei Reisen kann ich diese Frage oft mit Ja beantworten, auf vielen Kram kann ich dagegen gut verzichten. Beispielsweise bei Fernseher: Mein Gerät ist schon über 5 Jahre alt und kann lediglich HD. Viele im Kollegenkreis sind dazu übergegangen, den noch größeren und tolleren UHHHHDDD 4K Curved Ambilight OLED mit 80 Zoll sich zuzulegen. Ich für mich sage allerings, dass durch diese sicher technisch ganz netten Geräte das Fernsehprogramm ja trotzdem nicht besser oder schlechter wird. Von daher tut es meine relativ alte Kiste also noch…

    Ich bin allerdings in der glücklichen Situation, dass sich durch immer weiter steigende Anteile von ausschüttenden ETFs meine „passiven Einnahmen“ immer weiter steigen und sich das alles so langsam läppert. Meine Arbeit aufgeben kann ich mir (momentan) aber noch nicht leisten. Ich weiß allerdings auch nicht, ob meine Gesundheit weiterhin so mitspielt, dass ich mir in Zukunft alles so unternehmen kann, wie ich das momentan plane. Ein Bandscheibenvorfall sowie ein recht komplizierter Schulterbruch haben mir leidvoll gezeigt, wie sehr man selbst von der eigenen Gesundheit abhängig ist. Von daher habe ich auch für mich diesen „gesunden Mittelweg“ gefunden, weiterhin als Altersvorsorge regelmäßig Geld zur Seite legen, aber mir auch durch 2-3 Reisen im Jahr etwas gönnen.

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