Vielleicht hast du dich bei der Suche nach Aktien für dein Depot schon einmal gefragt, warum es für einige börsennotierte Unternehmen zwei verschiedene Aktiengattungen gibt: Die sog. Stammaktien (Abk.: St.) und die sog. Vorzugsaktien (Abk.: Vz). Beide haben eine unterschiedliche Wertpapierkennnummer (WKN). Das ist beispielsweise bei BMW, Volkswagen, Henkel, RWE und Metro der Fall.

Für Privatanleger stellen sich daher die Fragen, warum es für ein Unternehmen überhaupt zwei verschiedene Aktiengattungen gibt. Und für welche Aktiengattung sollte man sich als Privatanleger entscheiden?

Der Unterschied zwischen Stammaktien und Vorzugsaktien

Stammaktien sind mit einem Stimmrecht versehen. Wer also Stammaktien besitzt, darf auf der Hauptversammlung mit entscheiden. Man kann also beispielsweise über die Entlastung des Vorstandes, die Verwendung des Bilanzgewinns und somit über die Höhe der Dividende, die Zusammensetzung des Aufsichtsrats oder Kapitalerhöhungen abstimmen.

Im Gegensatz dazu hat man bei Vorzugsaktien kein Stimmrecht. Als „Vorzugsaktionär“ darf man zwar an der Hauptversammlung teilnehmen, kann aber nicht mit abstimmen.

Das stellt doch eigentlich einen Nachteil gegenüber den Stammaktionären dar, oder? Worin liegt denn nun der Vorzug?

Das deutsche Aktiengesetz schreibt vor, dass die Vorzugsaktionäre als Ausgleich für das fehlende Stimmrecht eine höhere Dividende erhalten. So ist es schon vorgekommen, dass Stammaktionäre aufgrund schlechter Zahlen keine Dividende erhalten haben, den Vorzugsaktionären hingegen wurde trotzdem eine kleine Ausschüttung gezahlt. Denn gibt es keinen Dividendenaufschlag, dann steht den Vorzugsaktionären ein Sonderstimmrecht zu (§ 140 Abs. 2 AktG).

Warum gibt eine Aktiengesellschaft überhaupt beide Aktiengattungen aus?

Durch die Ausgabe von Aktien sammelt das Unternehmen Geld für Investitionen ein. Im Gegenzug wird der Erwerber zum Miteigentümer des Unternehmens und kann – im Rahmen des Umfangs seiner Beteiligung – mitentscheiden.

Durch die Ausgabe von Vorzugsaktien ist es der Gründerfamilie oder dem Haupteigner nun aber möglich, Geld einzusammeln ohne die Stimmrechtsmehrheit aus der Hand geben müssen. So kann die Gründerfamilie bzw. der Haupteigner sicherstellen, dass sie bzw. er weiterhin das Sagen haben/hat, obwohl es viele andere Aktionäre gibt.

Die Ausgabe von Stamm- und Vorzugsaktien ist übrigens eine deutsche Besonderheit. Außerdem ist gesetzlich festgelegt, dass höchstens die Hälfte aller ausgegebenen Aktien Vorzugsaktien sein dürfen.

Stamm- oder Vorzugsaktien? Wofür soll ich mich als Privatanleger entscheiden?

Für mich als Privatanleger ist das Stimmrecht, das Stammaktien gewähren, nicht so entscheidend. Mit meiner geringen Investition wirkt sich mein Stimmrecht de facto eh nicht aus.

Des Weiteren gehen die meisten Privatanleger – selbst wenn sie ein Stimmrecht haben – ohnehin nicht zur Hauptversammlung. Stammaktien sind daher eher für institutionelle Anleger oder große Investoren interessant.

Aufgrund des Dividendenaufschlages sind für mich als Privantanleger tendenziell also Vorzugsaktien besser geeignet.

In Ausnahmefällen können jedoch auch Stammaktien für Privatanleger attraktiver sein. Dies gilt vor allem dann, wenn es zu einem „feindlichen“ Übernahmeversuch durch ein anderes Unternehmen oder einen Investor kommt. In diesem Fall steigen die Preise der Stammaktien, da man für die Übernahme die Stimmrechte benötigt.

Diesen Effekt konnte man 2008 beeindruckend bei der Volkswagen Aktie miterleben. Damals führte eine Pressemitteilung von Porsche dazu, dass der Kurs der VW Aktie auf mehr als 1.000 Euro stieg und VW zeitweise das teuerste Unternehmen der Welt war. Porsche hatte damals mitgeteilt, dass man über 43% der VW Aktien besitze und seinen Anteil auf 75% aufstocken wolle.

Es kann sich also durchaus auch für Privatanleger lohnen, Stammaktien potenzieller Übernahmekandidaten zu kaufen.

Ist nur eine der beiden Aktiengattungen in einem Index (z. B. DAX) vertreten, ist es tendenziell vorteilhafter, diese zu kaufen. Dies liegt daran, dass „Indexmitglieder“ häufiger von aktiv gemanagten Fonds oder ETFs gekauft werden.

Schließlich kann es auch mal vorkommen, dass Stamm- und Vorzugsaktien zusammengelegt werden (z.B. bei Hugo Boss 2012). Deutet sich eine Zusammenlegung an, sollte die Aktiengattung mit dem niedrigeren Kurs gekauft werden. Denn die Zusammenlegung führt dazu, dass sich die Aktienkurse angleichen.

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