Viele Privatanleger verfolgen die Strategie, über kontinuierliche Dividendenzahlungen ein steigendes, passives Einkommen aufzubauen. Sie investieren daher vorwiegend in Unternehmen, die ihre Gewinne an die Aktionäre ausschütten.

Besonders beliebt sind hierbei US Aktien. Die Gründe liegen auf der Hand:

  • Es gibt sehr viele US Unternehmen, die ihre Dividenden mindestens 25 Jahre in Folge angehoben haben (sog. Dividenden-Aristokraten). Allein im S&P 500 zählen rund 50 Unternehmen dazu. Zum Vergleich: In Deutschland haben wir gerade einmal ein Unternehmen – Fresenius – das diese Erfolgsbilanz vorweisen kann.
  • Viele US Firmen schütten ihre Dividenden quartalsweise aus. So erhalten Anleger viermal jährlich eine Auszahlung. Zum Vergleich: Deutsche Unternehmen schütten nur einmal jährlich Dividenden an die Aktionäre aus.
  • Gerade bei Dividenden-Aristokraten lässt sich feststellen, dass der Aktienkurs dieser Unternehmen oftmals nicht so starken Kursschwankungen unterliegt (diese gilt sowohl nach oben als auch nach unten). Dies liegt daran, dass es sich bei Dividenden-Aristokraten um sehr langjährig erfolgreiche und stabile Unternehmen handelt. Der Aktienkurs bildet diese Stabilität in den meisten Fällen mit ab.

Aber auch in anderen Ländern gibt es Aktien mit hoher Dividendenrendite. Beispielsweise bietet das britische Unternehmen The Restaurant Group Privatanlegern eine stattliche Dividendenrendite von knapp 10%. Gleiches gilt für die italienische Bank Intesa Sanpaolo oder die in Frankreich ansässige Bank Société Générale.

Das Leben könnte so schön sein, würde nicht der Staat ebenfalls etwas vom Kuchen abhaben wollen. Besonders ärgerlich ist es, wenn neben dem deutschen auch der ausländische Fiskus die Hand aufhält und die Dividenden defacto zweimal besteuert wird.

Was ist eine Quellensteuer

Bei der Quellensteuer handelt es sich um eine Steuer auf Kapitalerträge wie beispielsweise Dividenden, die Investoren aus dem Ausland dem Quellenstaat bezahlen müssen.

Wenn also ein deutscher Anleger in die Aktie eines ausländischen Konzerns investiert und Dividenden erhält, so wird der Quellenstaat auf diese Dividende Quellensteuer einbehalten.

Die Höhe der Quellensteuer ist von Land zu Land unterschiedlich. Jeder Quellenstaat legt den Quellensteuersatz selbst fest. Im Folgenden habe ich eine kurze Übersicht zur Höhe der Quellensteuersätze in den verschiedenen Ländern zusammengestellt:


Quellenstaat

Steuersatz (in Prozent)
Belgien30
China10
Frankreich30
Italien26
Irland0
Niederlande15
USA30
UK0

Wenn du als Privatanleger nicht tätig wirst, behält der Quellenstaat diesen Prozentsatz an der Dividende erst einmal ein.

Du kannst die Quellensteuer zurückholen

Glücklicherweise ist es möglich, sich einen Teil der Quellensteuer zurückzuholen. Das geht immer dann, wenn zwischen dem jeweiligen Quellenstaat und dem Land des Anlegers ein sogenanntes Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) besteht.

Die Finanzbehörden beider Länder verständigen sich darin auf einen maximalen Steuersatz, den ausländische Anleger auf Kapitalerträge zahlen müssen. Oft liegt dieser bei 15 Prozent – und ist damit häufig niedriger als der Quellensteuersatz.

Bei einigen Ländern ist es sehr einfach, sich die Quellensteuer erstatten zu lassen. Bei anderen Ländern ist es – trotz des bestehenden Doppelbesteuerungsabkommens – äußerst schwierig und mit hohem Aufwand verbunden. Im Folgen findest du einen Überblick zu ausgewählten Ländern.

USA: Einfach

Der Übersicht kannst du entnehmen, dass die US Quellensteuer mit 30% vergleichsweise hoch ist. Anleger, die also in US-Aktien investieren und daraus 100 Euro Dividende erhalten, bekommen zunächst nur 70 Euro gutgeschrieben. Damit ist jedoch noch nicht Schluss – auch deutsche Steuer wird fällig. Am Ende bleibt nur ein kleiner Teil der Dividende übrig.

Abhilfe schafft das Steuerformular W-8BEN. Als in Deutschland ansässiger  Anleger weist du damit dem US-Finanzamt nach, dass du durch einen ausländischen Wohnsitz von der Steuerpflicht in den USA befreit bist. Folglich wird die US Quellensteuer von 30% auf 15% reduziert. Diese ist dann voll auf die deutsche Kapitalertragsteuer anzurechnen.

Im Ergebnis verbleibt es beim deutschen Steuerniveau von 25% zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer.

Viele Banken und Broker beantragen die Quellensteuerreduzierung für dich bereits mit der Depoteröffnung. Es gibt aber auch Banken, die diesen Service nicht automatisch für dich übernehmen.

Bevor du US Dividendenaktien erwirbst empfehle ich dir daher, dich hierzu vorab bei deiner Bank oder deinem Broker zu informieren. Das Formular W-8BEN sowie eine Übersetzungshilfe auf Deutsch habe ich beigefügt:

Großbritannien und Irland: Kein Problem

Es gibt sogar Länder, die auf Dividendenzahlungen keine Quellensteuer erheben. Dazu zählen beispielsweise Großbritannien und Irland.

Kaufst du Dividendenaktien von in diesen Staaten ansässigen Unternehmen, so erhältst du die Dividende ohne den Abzug ausländischer Quellensteuer.

Selbstverständlich fällt auf diese Zahlungen weiterhin voll deutsche Kapitalertragsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer an.

Niederlande, Griechenland: problemlos

Dann gibt es wiederum Länder, die eine Quellensteuer von genau 15 % einbehalten. Dies entspricht dem nach Doppelbesteuerungsabkommen maximal anrechenbaren Betrag. Hierzu zählen beispielsweise die Niederlande oder auch Griechenland.

Erhältst du Dividenden von dort ansässigen Gesellschaften, wird automatisch eine Quellensteuer von 15 % einbehalten. Diese wird von der Depotbank voll auf die deutsche Kapitalertragsteuer angerechnet. Im Ergebnis verbleibt es beim deutschen Steuerniveau. Von dir ist nichts weiter zu veranlassen.

Frankreich: Sehr hoher Aufwand und kostenintensiv

In Frankreich wird eine Quellensteuer von 12,8 % fällig – der maximal anrechenbare Betrag laut Doppelbesteuerungsabkommen entspricht ebenfalls 12,8 %. Wo ist jetzt das Problem?

Leider ist in Frankreich das Erstattungsverfahren von Quellensteuer weiterhin sehr kompliziert. Damit der günstige Quellensteuersatz von 12,8% Anwendung findet, muss den französischen Finanzbehörden nachgewiesen werden, dass du in Deutschland deinen Hauptwohnsitz hast. Wird dieser Nachweis nicht geführt, wird aus Sicherheitsgründen der Maximalsatz von 30 % einbehalten.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht genau warum es so schwierig ist, diesen Nachweis in der Praxis zu führen. Ich habe aber schon öfter gehört, dass mangels Nachweis der hohe Steuersatz einbehalten wurde.

Wenige Banken bieten den Service einer Vorabbefreiung an. Dies tut zum Beispiel die Deutsche Kreditbank (DKB). Für diesen Service verlangt sie eine Gebühr von 11,90 Euro.

Liegt keine Vorabbefreiung vor, bleibt einem nichts anderes übrig als einen Antrag zur Erstattung der zu viel abgeführten französischen Quellensteuer zu stellen. Das Erstattungsformular erhält man über das Bundeszentralamt für Steuern. Nachdem man dieses ausgefüllt hat, muss es vom Wohnsitzfinanzamt bestätigt werden.

Leider ist es nicht möglich das Formular danach an die französischen Behörden zu schicken und um Rückzahlung der zu viel bezahlten ausländischen Quellensteuer zu bitten. Damit der Erstattungsantrag durch die französischen Steuerbehörden bearbeitet wird ist es notwendig, dass der Antrag über die Depotbank eingereicht wird. Ferner muss die deutsche Lagerstelle Clearstream bestätigen, dass die Aktien in einem deutschen Depot verwahrt werden.

Diesen Service lassen sich die Banken kosten. So erhebt die Ing DiBa beispielsweise für jeden Antrag eine Gebühr von 50 Euro. Bei Comdirect fällt sogar pro Dividendengutschrift eine Gebühr von knapp 24 Euro an. Zusätzlich wird eine Clearstreamgebühr von 71,40 Euro pro Dividendenzahlung fällig.

Daher lohnt sich die Erstattung von zu viel abgeführter Quellensteuer in Frankreich für die normalen Privatanleger oftmals nicht. Dies geht selbstverständlich zu Lasten der Rendite bei französischen Dividendenaktien.

Italien: Einfach aber sehr langwierig

Die in Italien einbehaltene Quellensteuer beträgt 26 %, nach dem Doppelbesteuerungsabkommen darf die Quellensteuer lediglich 15 % betragen. Der übersteigende Betrag von 11 % kann, nachdem das entsprechende Formular bei den Finanzbehörden eingereicht wurde, wieder erstattet werden.

Die entsprechenden Vordrucke findest du hier:

http://www1.agenziaentrate.gov.it/english/business/pdf/FORM_A. pdf

Diesen Antrag kannst du an den italienischen Fiskus schicken. Hierfür hast du vier Jahre Zeit.

Leider brauchen die italienischen Finanzbehörden nach Erfahrungsberichten fast ebenfalls so lange, bis sie den Antrag bearbeitet haben. Man braucht also viel Geduld und Ausdauer…

Fazit

Wer auf Dividenden setzt, für den sind viele ausländische Aktien sehr attraktiv. Doch bevor man sich diese ins Depot holt, sollte man sich einen Überblick zur Quellensteuer verschaffen.

Hast du auch Erfahrungen zum Erstattungsverfahren bei den in diesem Beitrag genannten oder auch anderen Ländern gesammelt? Falls ja freue ich mich auf dein Feedback.

Werbeanzeigen

One thought

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.