Kürzlich bin ich im Rahmen meiner Arbeit auf die sog. Master Limited Partnership gestoßen. Zunächst sagte mir dies gar nichts.

In Deutschland ist das Konstrukt der Master Limited Partnership (MLP – nicht zu verwechseln mit Finanzvertrieb MLP SE…) nämlich weitestgehend unbekannt. Dabei können sich Privatanleger, die in eine MLP investieren, oftmals über üppige Dividenden freuen.

Daher möchte ich mir heute diesen „Geheimtipp“ für Privatanleger einmal näher anschauen.

Was sind MLPs

MLPs sind börsengehandelte US-Firmen aus der Rohstoff- und Energiebranche. Sie bauen und betreiben Pipelines, Lagertanks, Verladeterminals und Raffinerien. Im Gegenzug zahlen die großen Energie- und Versorgungsunternehmen Gebühren für die Nutzung dieser Infrastruktur.

Das Geschäftsmodell sichert den MLPs stabile und gut kalkulierbare Einnahmen. Es ist üblich, dass Inflations- und Preisrisiken vertraglich ausgeschlossen werden.

Um den Aufbau der Energie- und Rohstoffversorgung in den USA flächendeckend zu sichern und voranzutreiben, wurde von der US Regierung 1987 ein Gesetz erlassen, dass Anreize für Investoren schaffen sollte. Seither sind die Erträge der MLPs in den USA von der Körperschaftsteuer befreit. Voraussetzung für die Steuerbefreiung ist jedoch, dass die MLPs 90 Prozent ihrer Überschüsse an die Anleger ausschütten müssen.

Vorsicht Steuerfalle!

Hohe Dividenden? Das klingt gut! Leider gibt es ein Problem für in Deutschland ansässige Privatanleger.

Zwar sind die Anteile an einer MLP börsennotiert und können täglich gehandelt werden. Um Aktien handelt es sich jedoch nicht. Vielmehr handelt es sich um die Beteiligung an einer amerikanischen Kommanditgesellschaft auf Aktien.

Anders als beim Erwerb von Aktien gehen Privatanleger mit dem Kauf eine direkte unternehmerische Beteiligung mit allen Chancen und Risiken ein.

Es gibt sogenannte „General Partner“, unbeschränkt haftende Gesellschafter, die das Tagesgeschäft der Firma führen. Privatanleger hingegen werden als „Limited Partner“ eingestuft und haben als reine Kapitalgeber keinen Einfluss auf geschäftliche Entscheidungen. Ihre Haftung ist auf das investierte Kapital beschränkt – daher „Limited Partner“. Im Gegenzug für das überlassene Kapital erhalten sie üblicherweise vierteljährliche Ausschüttungen.

Steuerpflicht in den USA

Wie gesagt sind die Gewinne auf Unternehmensebene steuerbefreit. Im Gegenzug müssen Investoren die Ausschüttungen in ihrer persönlichen Steuererklärung versteuern.

Bei ausländischen Investoren wird auf die Ausschüttungen zunächst US Quellensteuer einhalten – und zwar mit ca. 40%!

Um sich die einbehaltene Quellensteuer zumindest teilweise erstatten zu lassen, müssen deutsche Investoren in den USA eine Steuererklärung einreichen. Aus finanzieller Sicht wäre das grundsätzlich sinnvoll, weil in den USA Einkünfte von bis zu knapp 10.000 USD nur mit zehn Prozent besteuert werden. Privatanleger würden somit einen Großteil ihrer unfreiwillig vorausbezahlten Quellensteuern zurückbekommen.

Das setzt aber voraus, dass man eine US Steuererklärung einreichen muss – wer möchte und vor allem kann das schon wegen ein paar Dividenden machen? Zwar könnte man sich einen US Steuerberater nehmen. Aufgrund des dann fälligen Honorars ist das jedoch nur für Anleger sinnvoll, die große Summen investiert haben.

Reicht man keine Steuererklärung ein, sind die hohen Quellensteuern unwiederbringlich fort.

Drohende Doppelbesteuerung in Deutschland

Zudem gelten nach Ansicht des Bundesfinanzministeriums die Erträge aus MLPs als Dividendenerträge. Bei in Deutschland ansässigen Privatanlegern unterliegen die Erträge daher nochmals der Besteuerung in Deutschland mit 25% zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer.

Die Anrechnung einer ausländischen Quellensteuer auf die deutsche Steuer findet innerhalb der deutschen Einkommensteuererklärung statt. Bei Dividenden ist die Anrechnung auf 15% beschränkt – eine ggf. übersteigende Steuer (im Fall der o.g. vollen Quellensteuer von knapp 40% liegt der übersteigende Betrag bei satten 25%!) läuft ins Leere und ist verloren.

Scheidet ein Investment in MLPs daher aus?

Nicht unbedingt. Es gibt eine gute Alternative.

Steuernachteile und Renditeeinbußen kann man umgehen, indem man direkte Investments in MLPs vermeidet und stattdessen in einen ETF investiert. Denn dann erzielt man als deutscher Privatanleger in Deutschland steuerpflichtige Einkünfte aus Kapitalvermögen. Die Depotbank behält lediglich 15% US Quellensteuer ein, die voll auf die deutsche Abgeltungssteuer angerechnet werden kann. In Summe verbleibt es hierbei beim deutschen Steuerniveau von 25% zzg. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer.

Zudem muss man nicht schauen, in welche MLPs man investiert – die Auswahl ist durch den Index bereits vorgegeben.

Ist der Kauf eines MLP ETFs sinnvoll?

Wer einen MLP ETF kauft, streut über eine Vielzahl von Unternehmen im Bereich Energieinfrastruktur. Somit ist man – wie bei allen ETFs -diversifiziert.

Im Gegensatz zu einen MSCI World ETF bleiben aber das Branchen- und das Länderrisiko, da MLPs grundsätzlich US-spezifisch sind. Gerade in diesen Zeiten kann das sehr nachteilig sein, da ein unberechenbarer US Präsident auch schnell die Steuervorteile für MLPs kassieren kann und das Modell dann nicht mehr attraktiv ist.

Man darf aber nicht vergessen, dass diese Branche eine enorme strategische Bedeutung für die USA hat. Das war ja seinerzeit gerade der Grund für die steuerliche Förderung. Ich schätze daher das politische Risiko eher als gering ein.

Die Gewinne von MLPs sind zudem stark von den Preisen für Energierohstoffe abhängig. Brechen diese ein, so sinken auch die Gewinne. Schaut man sich jedoch die Dividendenzahlungen im Zeitablauf an, kann man feststellen, dass – trotz mitunter stark schwankender Kurse – die Erträge und Ausschüttungen relativ konstant waren. Man darf auch nicht vergessen, dass temporäre Schwankungen der Preise am Weltmarkt üblicherweise durch langlaufende Liefer- und Abnahmeverträge abgesichert sind.

Größter Vorteil ist aus meiner Sicht der „Burggraben“, der MLPs umgibt.
Das Bauen und Betreiben von Pipelines, Lagertanks, Verladeterminals und Raffinerien wird mittelfristig weiterhin zu konstanten und gut kalkulierbaren Erträgen führen.

Welche ETFs gibt es?

Bei meiner Recherche bin ich auf die folgenden beiden ETFs von Invesco und L&G gestoßen, wobei der Invesco ETF in zwei Ausführungen verfügbar ist – thesaurierend (Acc) und ausschüttend (Dist):

ETFFondgröße in Mio EURKosten (TER)Sparplan- fähig?
Invesco Morningstar US Energy
Infrastructure MLP UCITS ETF Acc
222, seit 20130,5%nein
Invesco Morningstar US Energy Infrastructure MLP UCITS ETF Dist282, seit 20130,5%nein
L&G US Energy Infrastructure MLP UCITS ETF23, seit 20140,27%ja

Der ausschüttende Invesco ETF hatte eine Dividendenrendite von knapp 8%. Der L&G ETF brachte in den letzten 12 Monaten knapp 5,5% Dividendenrendite.

Fazit

Für Privatanleger, die auf Dividenden fokussiert sind, stellen MLPs eine interessante Beimischung für das Depot dar.

Ein Direktinvestment lohnt sich aufgrund der steuerlichen Nachteile nicht. Wer dennoch MLPs kaufen möchte, sollte daher einen ETF wählen.

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3 thoughts

  1. Für Investoren, welche auch ausländische Fonds unter Umgehung der unsäglichen MiFiD-II-Restriktionen ordern können (bswp. über Swissquote oder andere Broker), sei auch der Alerian MLP ETF sehr empfohlen. Darin bin ich selbst schon seit einiger Zeit investiert und freue mich über einen schönen regelmäßigen Einkommensstrom von ca. 8 % vor Steuern.

    https://www.bloomberg.com/quote/AMLP:US

    Beste Grüße
    Patric

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  2. Die Invesco ETF gibt es auch als deutsche Variante. Dadurch erübrigen sich diese Mifid II Probleme, was diese ETFs durchaus interessant macht.

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  3. Hi, sehe das im Prinzip ähnlich wie Du. Ein weiteres Risiko von MLPs könnte gegeben sein, wenn der US-Energiemarkt sich dann mittelfristig doch irgendwann Richtung regenerative Energieträger umorientiert. Abgesehen davon noch eine Bemerkung zu den Invesco-ETFs: die TER ist eines, aber da kommt dann noch eine SWAP-Gebühr von 0,75% dazu. Autsch! Die 1,25% laufende Kosten sind natürlich heftig.

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