Frühzeitig bei Wachstumsunternehmen einsteigen, günstige Aktien erwerben und dann dabei zusehen, wie die Kurse steigern – davon träumen wir doch alle.

Die Zeiten, wo Microsoft, Google und Amazon zum Schnäppchenpreis zu haben waren, sind jedoch lange vorbei. Und somit halten viele Ausschau nach neuen Unternehmen, die in die Fußstapfen dieser Börsengiganten treten können.

Es ist daher wenig überraschend, dass der Börsengang des Fahrdienstvermittlers Lyft (WKN: A2PE38 / ISIN: US55087P1049) letzte Woche mit einem überwältigenden Interesse verfolgt wurde.

Der Börsengang soll Lyft geschätzt 2,2 Mrd USD in die Kassen gespült haben. Eine stattliche Summe, zumal der Ausgabekurs nochmals auf zwischen 70 und 72 USD angehoben wurde. Nach Schätzungen wäre Lyft damit zum Zeitpunkt des Börsengangs knapp 25 Mrd USD wert.

Tolle Chance?

Lohnt sich der Einstieg bei Lyft? Soll ich Aktien des Fahrdienstvermittlers kaufen?

Ich frage mich, ob die Investoren nicht vielleicht ein wenig zu begeistert über den Börsengang waren und die Aktien zu teuer erworben haben.

Sicher – Lyft, der zweitgrößte Fahrdienst nach Uber Technologies, hat ein interessantes Geschäftsmodell, lassen doch immer mehr Menschen ihr Auto stehen und nutzen lieber den Komfort einer problemlosen, technologiegetriebenen Fahrt.

Aber die andere Seite der Medaille ist, dass Lyft bislang kein Geld verdient. Ganz im Gegenteil: Lyft verbrennt seine Barmittel und es ist nicht abzusehen, wann das Unternehmen die Gewinnzone erreichen wird. Der Verlust betrug in 2018 911 Mio USD und damit 32% mehr als im Jahr zuvor.

Das ist – gerade für Technologiefirmen – in der Anfangsphase nicht ungewöhnlich. Zunächst sind immer sehr große Investitionen notwendig, die sich erst nach vielen Jahren amortisieren.

  • Auch Amazon erzielte anfangs große Verluste, trotzdem zahlte es sich für Investoren aus, frühzeitig einzusteigen. Heute haben sie ein Vermögen mit dem Kauf von Anteilen erzielt.
  • Ein anderes Beispiel, wo die Strategie für Investoren hingegen nicht aufgegangen ist, ist die Fotosharing-App Snap. Wer hier Anteile zum damaligen Emissionspreis gekauft hatte, betrauert nun einen Verlust von über 50%.

Das Geschäftsmodell

Alles per App

Das Geschäftsmodell des Fahrdienstvermittlers ist simpel: Kunden öffnen auf ihrem Smartphone eine App, die zunächst ihren Standort erfasst. Dann muss man das Ziel der Fahrt angeben und bekommt verschiedene Optionen angezeigt, unter anderem den Preis.

Man bestätigt dann nochmals den eigenen Standort und bestellt. Am anderen Ende bekommen die Fahrer eine Benachrichtigung, können die Bestellung dann bestätigen und machen sich auf den Weg. Bezahlt wird nach der Fahrt per Kreditkarte.

Insgesamt ist dies eine sehr schöne und komfortable Dienstleistung, die den Kunden angeboten wird.

Gibt doch schon, oder?

Man könnte argumentieren, dass private Transportdienstleistungen bereits in den Städten durch Taxis verfügbar waren. Wo liegt jetzt der Vorteil von Lyft und Uber?

Ganz einfach: Lyft kann aufgrund seines Geschäftsmodells niedrigere Tarife anbieten.

  • Ein Großteil der vermittelten Fahrer sind Einzelunternehmer. Anders als Taxifahrer sind diese selbständig und damit nicht verpflichtet, Sozialversicherungsbeiträge zu zahlen.
  • Taxifahrer sind regelmäßig verpflichtet, für jedes von ihnen betriebene Taxi eine Taxikonzession zu erwerben. Diese kostet Geld, dass der Taxiunternehmer an seine Kunden in Form höherer Kosten weiterreichen muss.

In Deutschland sind solche Fahrdienstvermittlungen bisher wenig verbreitet. Viele kennen die App „mytaxi“, mit der zumindest Taxifahrten einfach vermittelt werden.

In den USA aber werden die Angebote von Firmen wie Lyft und Uber schon rege genutzt.

Potential

Die Nachfrage nach problemlosen, sicheren und bezahlbaren Transportdiensten ist groß. Lyft befindet sich nun nach dem Börsengang in einer tollen Position.

Im Gegensatz zu Uber hat Lyft seinen Fokus strikt auf sein Kerngeschäft gerichtet. Zudem war man zuerst an der Börse und kann das eingesammelte Kapital nun nutzen, um Skaleneffekte zu erzielen. Das Ziel ist es, die Einnahmen nun schneller als die Ausgaben wachsen zu lassen um langfristig profitabel zu werden.

Auch der Megatrend des autonomen Fahrens sorgt für einige Fantasie, ließe sich das doch super mit dem Geschäftsmodell von Lyft verbinden (soweit ist man zwar noch lange nicht – an der Börse wird jedoch immer die Zukunft gehandelt :-)).

Allerdings sehe ich auch erhebliche Risiken, die mich persönlich von einer Investition abhalten.

  • Der oben genannte Vorteil von Lyft gegenüber klassischen Taxibetrieben kann auch schnell weg sein. Sowohl der Fahrdienstanbieter als auch die Taxiunternehmen bieten praktisch die gleichen Dienstleistungen an. Ich halte es daher für wahrscheinlich, dass der Regulierungsansatz für beide Geschäftsmodelle mit der Zeit einheitlicher wird. Die Anforderung einer Lizenz kann das Geschäft von Lyft dramatisch belasten, je nach Ausgestaltung. Zum einen führt dies dann grundsätzlich dazu, dass die Dienstleitung nicht mehr viel günstiger angeboten werden kann. Zum anderen hat Lyft als Fahrdienstanbieter eine höhere Fluktuation der Fahrer. Die Ausstellung fahrerspezifischer Lizenzen könnte daher eine zusätzliche Herausforderung werden. Das Gleiche gilt für fahrzeugspezifische Lizenzen, da viele Fahrer ihre eigenen Fahrzeuge nutzen.
  • Lyft ist bislang alles andere als profitabel. So warnt das Unternehmen selbst im Rahmen seines bei der US-Börsenaufsicht Securities and Exchanges Commission eingereichten Börsenprospekts davor, dass die Ausgaben weiter steigen könnten und man somit vielleicht nicht in der Lage sein werde, in Zukunft profitabel zu werden.
  • Der Börsengang erfolgt spät mit Blick auf den Konjumkturzyklus. Knapp 9 Jahre dauert der Bullenmarkt nun an. Es mehren sich die Stimmen, die eine Abkühlung der Weltwirtschaft und eine Rezession ankündigen. Ob ein Technologiestartup wie Lyft einen schweren Abschwung der Wirtschaftstätigkeit verkraften kann, ist fraglich.

Fazit

Lyft ist mit Sicherheit ein interessantes Unternehmen. Derzeit lasse ich aber meine Finger von einem Investment bei Lyft, da ich auch viele Risiken für das Unternehmen sehe.

Die Wette auf große und später auch profitable Wachstumsraten kann aufgehen, wird aber auch stark von äußeren Faktoren abhängen.

Zudem finde ich persönlich die Bewertung mit knapp 25 Mrd USD für ein Unternehmen, dass bislang nur viel Geld verbrennt, zu hoch.

Ich warte hier lieber ab auch schaue mir die Entwicklung aus der Ferne an. Übrigens: Die Aktie hat in den ersten Tagen gleich 18% an Wert verloren…

Wer auf der Suche nach solideren Dividendenaktien ist, findet hier zwei meiner Favoriten.

Hinweis

Dieser Beitrag stellt nur meine persönliche Meinung dar. Es handelt sich nicht um eine Kaufempfehlung oder Anlageberatung. Falls du dich für diese Aktien interessierst empfehle ich dir daher, dich ausreichend an geeigneter Stelle zu informieren.

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