Für mich als Privatanleger ist es wichtig, in gesunde und zukunftsfähige Unternehmen zu investieren. Hierbei verfolge ich eine langfristige Anlagestrategie.

Die Kurse fallen, die Kurse steigen – die Börse ist ein ständiges Auf und Ab. Da ich als Privatanleger Aktienkäufe nicht berufsmäßig betreibe, versuche ich mich erst gar nicht am Day Trading. Mal ehrlich: Den besten Ein- oder Ausstiegszeitpunkt werde ich nie finden!

Für meine Investitionen suche ich daher ausschließlich Unternehmen aus

  1. die ich kenne und deren Geschäftsmodell ich verstehe,
  2. von deren langfristigem Erfolg ich überzeugt bin und
  3. die meine Kriterien an ein gutes Investment erfüllen.

Kennen, verstehen und überzeugt sein!

Bei der Aktienauswahl beschäftige ich mich grundsätzlich überhaupt nur mit Unternehmen, die die ersten beiden Punkte erfüllen. Ich muss das Unternehmen kennen, das Geschäftsmodell verstehen und an den langfristigen Unternehmenserfolg glauben.

Ich habe hierbei aus meinen Fehlern in der Vergangenheit gelernt. Wie so viele andere auch habe ich früher des öfteren in Aktien investiert, die ich nicht gut kannte.

In einschlägigen Börsenzeitschriften (z.B. Focus Money, Der Aktionär, Börse Online) werden nicht selten auch unbekannte Unternehmen vorgestellt und zum Kauf empfohlen. Investiert man in diese Unternehmen, hat dies zwei wesentliche Nachteile:

  1. Es ist natürlich grob fahrlässig, ausschließlich auf die Empfehlung in einer Börsenzeitschrift zu setzten – man sollte sich vorab immer intensiv mit dem Unternehmen und dessen Kennzahlen beschäftigen.
  2. Aber selbst wenn die Recherche der Zeitschrift gut war und die Aktie grundsätzlich ein tolles Investment ist, so hat die Investition in „unbekannte“ Unternehmen immer auch einen psychologischen Nachteil. Läuft es nicht gut und sinken die Kurse vorübergehend, so neigt man dazu, vorschnell zu verkaufen, da man nicht hinter diesem Unternehmen steht. Das würde mir bei meiner Amazon oder Microsoft Aktie nicht passieren 🙂

Sofern Unternehmen die o.g. Kriterien für mich erfüllen, geht es im nächsten Schritt darum, das Unternehmen durch mein Scoring Modell zu bewerten.

Das Scoring Modell

Mit dem Scoring Modell versuche ich mittels objektiver Kriterien und Kennzahlen die Qualität eines Unternehmens für mich zu bewerten.

Die Bewertung erfolgt dabei anhand von 6 Kriterien, die mir für die Auswahl meiner Aktien wichtig sind. Diese sind objektiv und leicht überprüfbar, da die Bewertung anhand von Kennzahlen erfolgt.

Pro Kriterium können insgesamt zwischen -2 Punkte (Kriterium ist deutlich nicht erfüllt) und 2 Punkte (Kriterium ist deutlich übertroffen) vergeben werden.

Der Gesamtscore errechnet sich schließlich aus der Summe aller (Minus-)Punkte.

Die 6 Kriterien

1. Die Eigenkapitalquote


Definition
Die Eigenkapitalquote setzt das Eigenkapital eines Unternehmens ins Verhältnis zu dessen Gesamtkapital. IdR. gilt, je höher die Eigenkapitalquote, desto höher sind Bonität und finanzielle Stabilität. Zugrunde gelegt wird die durchschnittliche EK-Quote der letzten drei Jahre.

Grund
Mir ist es wichtig, dass das Unternehmen über eine hohe EK-Quote verfügt. Eine hohe Verschuldung stellt ein großes Risiko dar. Steigen beispielsweise die Zinsen, so erhöhen sich die Zinskosten für das Unternehmen. Dies kann schnell dazu führen, dass das Unternehmen in Krisenzeiten in eine Schieflage gerät. Ich möchte daher in Unternehmen investieren, die auch während wirtschaftlicher schlechter Zeiten nicht in finanzielle Nöte geraten.
⭐⭐EK > 40%
40% > EK > 30%
💥20% > EK > 10 %
💥💥 EK < 10 %

2. Gewinnwachstum der letzten 3 Jahre

DefinitionDas Gewinnwachstum beschreibt die prozentuale Veränderung des Gewinns im Zeitablauf. Geschaut wird hier auf das durchschnittliche Wachstum des Gewinns pro Aktie der letzten 3 Jahre.
GrundUnternehmen, die in der Vergangenheit erfolgreich waren haben bewiesen, dass sie langfristig Gewinne erwirtschaften können. Es gibt sicherlich auch Anleger, die bewusst in Unternehmen investieren, die in der Vergangenheit ggf. einen Verlust eingefahren haben. Sie könnten hier auf einen Turnaround spekulieren. Ich möchte aber nicht spekulieren, sondern investieren. Daher suche ich Unternehmen mit wachsenden Gewinnen.
⭐⭐Gewinnwachstum 3J > 10%
Gewinnwachstum 3J > 5%
💥Gewinnwachstum 3J < 0%
💥💥 Gewinnwachstum 3J < -5%

3. Erwartetes Gewinnwachstum 3 Jahre (erw.)

DefinitionGeschaut wird hier auf das erwartete durchschnittliche Gewinnwachstum pro Aktie in den kommenden 3 Jahren.
GrundLangfristige Prognosen für 5 oder 10 Jahre in die Zukunft sind nicht zielführend. Aber für die kommenden drei Jahre sind die Prognosen regelmäßig gut. Entscheidend für die Bewertung einer Aktie ist vor allem, wie sich der Gewinn in der Zukunft entwickeln wird.
⭐⭐Gewinnwachstum 3Je > 10%
Gewinnwachstum 3Je > 5%
💥Gewinnwachstum 3Je < 0%
💥💥 Gewinnwachstum 3Je < -5%

4. Eigenkapitalrentabilität

DefinitionAls Eigenkapitalrentabilität wird das Verhältnis des Gewinns eines Unternehmens zum Eigenkapital bezeichnet. Analog zur Verzinsung einer Kapitalanlage kann die Eigenkapitalrendite als Zinsertrag des Eigenkapitals aufgefasst werden.
GrundJe höher die Eigenkapitalrendite ist, desto wirtschaftlicher arbeitet ein Unternehmen mit meinem investierten Geld.
⭐⭐> 20%
> 15%
💥< 10%
💥💥 < 5%

5. Fairer Wert

Die besten Kennzahlen bringen nichts, wenn die Aktien aktuell gerade stark überbewertet ist und ich sie überteuert kaufen muss.

Ob eine Aktie gerade günstig oder teuer ist, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. An der Börse wird die Zukunft gehandelt – und diese kann niemand vorhersagen. Daher können alle Bewertungsmodelle nur als Näherung verstanden werden. Wenn es die perfekte Berechnungsmethode gäbe, würde damit schließlich jeder reich werden…

Da alle Bewertungsmodelle Vor- und Nachteile haben und keines in der Lage ist, ein absolut verlässliches Ergebnis zu liefern, ist die hier verwendete Bewertungsmethode auch nur eines von 6 gleichwertigen Kriterien. D.h. auch wenn eine deutliche Überbewertung nach diesem Modell ermittelt wird, kann die Aktien – sofern die anderen Kriterien erfüllt sind, durchaus kaufenswert sein.

Für die Berechnung des fairen Wertes orientiere ich mich an einem simplen Verfahren. Hier wird zunächst das historische Kurs Gewinn Verhältnis (KGV) der letzten drei Jahre sowie der erwarte durchschnittliche Gewinn pro Aktie der kommenden drei Jahre betrachtet.

KGV = Aktienkurs / Gewinn pro Aktie

Der Berechnung des fairen Wertes liegt nun die Idee eines zeitlich konstanten KGVs zugrunde. Unterstellt man, dass das KGV für das Unternehmen im Zeitablauf mehr oder weniger konstant bleibt – also in etwa dem historischen KGV entspricht – müssen Steigerungen des Gewinns auch zwingend zu einer Steigerung des Aktienkurses führen.

Liegt das aktuelle KGV allerdings unter dem historischen KGV der letzten drei Jahre, wird stattdessen das aktuelle (niedrigere) KGV herangezogen – es erfolgt somit eine konservative Betrachtung.

DefinitionFairer Wert = Durchschnittlicher Gewinn pro Aktie 3Je x historisches KGV (alt. aktuelles KGV)
BezugsgrößeDer aktuelle Aktienkurs wird hier ins Verhältnis zum so ermittelten fairen Wert gesetzt um die Über- bzw. Unterbewertung zu messen.
⭐⭐> 10% Unterbewertung
> 5% Unterbewertung
💥> 5% Überbewertung
💥💥 > 10% Überbewertung

6. Sharholder Value

Das letzte Kriterium beurteilt das Unternehmen daran, welche Rendite Investoren in den letzten drei Jahren im Durchschnitt mit der Aktie erzielt haben.

DefinitionShareholder Value = Durchschnittlicher Kursgewinn 3 Jahre + durchschnittliche Dividendenrendite der letzten drei Jahre
BezugsgrößeAm Ende des Tages geht es bei der Investition in Aktien darum, die größtmögliche Rendite zu erzielen. Diese setzt sich bei Aktien im Wesentlichen aus den erzielten Kursgewinnen und der Dividende zusammen.
⭐⭐> 15%
> 10%
💥< 5%
💥💥 < 0%

Ergebnis und Aussagekraft

Theoretisch kann sich ein Score zwischen -12 und 12 ergeben, wobei -12 das denkbar schlechteste Ergebnis und 12 das bestmögliche Ergebnis darstellt.

In der Praxis wird ein Unternehmen nur äußerst selten einen Score von 12 erreichen. Das ist auch gar nicht notwendig, um anhand des Scoring Modells gute von weniger guten Unternehmen zu unterscheiden.

Bei meinen Investitionen möchte ich gezielt die Unternehmen ausfindig machen, die sich von der breiten Masse abheben. Für mich habe ich bei der Auswahl von Aktien für mein Depot Folgendes festgelegt:

ScoreErgebnis
< 2keine Investition
2 -4Investition nur dann, wenn einzelne Kriterien deutlich übererfüllt sind (z.B. extrem starke Unterbewertung des Aktienpreises) oder andere Faktoren eine Rolle spielen (z.B. sehr gutes Rating)
5 -7Grundsätzlich gute Investition, aber vorher sollten noch Unternehmen mit höherem Score geprüft werden
> 8klarer Kauf

Beispiel

Leser meines Blogs wissen, dass ich Amazon Aktien im Depot habe und sehr von dem Unternehmen überzeugt bin. Dies liegt auch daran, dass Amazon bei meinem Scoring Modell einen Score von 9 Punkten erzielt.

Die Zusammenfassung kann der folgenden Übersicht entnommen werden.

Zusammenfassung

Sicherlich ist mein Scoring Modell nicht perfekt – das gilt jedoch für jedes Bewertungsmodell. Dem ein oder anderen werden vielleicht auch einige für ihn relevante Kennzahlen fehlen, wie beispielsweise das Kurs-Buchwert-Verhältnis oder Wachstum von Umsatz oder Free Cash Flow.

Nach meiner Meinung zeichnet sich ein gutes Bewertungsmodell jedoch durch eine einfache Handhabung und die Reduzierung der Komplexität auf das Wesentliche aus.

Zudem bietet das Modell für mich ein ausgewogenes Verhältnis von historischen Daten und zukunftsorientieren Schätzungen, das jeden Privatanleger in die Lage versetzt, in kurzer Zeit und mit vergleichsweise wenig Aufwand gute Aktien zu finden.

Auf gutes Gelingen!

Hinweis

Dieser Beitrag sowie das vorgestellte Scoring Modell stellt nur meine persönliche Meinung und Strategie dar. Es handelt sich nicht um eine Kaufempfehlung oder Anlageberatung. Aktienkäufe sind immer mit Risiken verbunden, die u.U. auch zu einem Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Bei der Auswahl von Aktien solltest du dir daher immer eine eigene Meinung bilden.

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6 thoughts

    1. Hallo Stefan,
      gute Übersichten mit allen relevanten Kennzahlen findest du beispielsweise bei Onvista oder finanzen.net.
      Viele Grüße
      Finanzzauber

      Liken

  1. Interessantes Modell. Bei der Eigenkapitalquote solltest Du allerdings noch eine Art Filter einbauen, denn es kommt doch entscheidend darauf an, aus welcher Branche das Unternehmen kommt. So brauchen Banken und Softwareunternehmen wenig EK, während es bei produzierendem Gewerbe oder Immobilienwerten natürlich essenziell ist. Vielleicht könntest Du je nach Branche die Erwartung an die EK-Quote verändern? Dürfte vermutlich ausreichen, zwei unterschiedliche Gruppen einzuführen, um Dein Scoring-Modell nicht unnötig zu verkomplizieren…

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  2. Unter Punkt 5. Fairer Wert sind die größer bzw. kleiner nicht korrekt.

    Ansonsten vielen Dank für das Teilen deiner Anleitung!

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    1. Danke dir Johann. Allerdings stimmen die größer kleiner Zeichen, da es zum einen um die Überbewertung und zum anderen um die Unterbewertung geht 😉.
      Beste Grüße
      Finanzzauber

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