Jeder, der sein Geld in Aktien investiert, sollte einer Strategie folgen und sich auch in turbulenten Börsenzeiten daran halten. Dabei muss jeder selbst entscheiden, welche der vielen Anlagestrategien für einen selbst die richtige ist. Dies ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig, z.B. der persönlichen Risikobereitschaft, der Renditeerwartung, dem Anlagehorizont usw. Bei der Aktienauswahl für das Finanzzauber Depot nutze ich die kennzahlenbasierte Finanzzauber Scorecard.

Mit der Finanzzauber Scorecard versuche ich mittels objektiver Kriterien und Kennzahlen die Qualität eines Unternehmens für mich zu bewerten. Die Bewertung erfolgt dabei anhand von verschiedenen Kennzahlen, die mir für die Auswahl meiner Aktien wichtig sind. Diese sind objektiv und leicht überprüfbar und frei zugänglich.

Hierbei unterscheide ich zwischen stark wachsenden Unternehmen (also Unternehmen, die bislang keine oder nur eine sehr geringe Dividende zahlen) und Unternehmen, die bereits eine höhere Dividende ausschütten.

Für jede erfüllte Kennzahl wird ein Punkt vergeben. Der Gesamtscore errechnet sich schließlich aus der Summe aller Punkte. Maximal kann ein Unternehmen 14 Punkte erhalten.

Unternehmen mit einem hohen Score kommen in die nähere Auswahl für kommende Investitionen. Ein hoher Score bedeutet jedoch nicht, dass ich die Aktie gleich ins Depot kaufe. Daher schaue ich im nächsten Schritt immer auch auf die aktuelle Bewertung sowie die Renditeerwartung, die ich an die jeweilige Aktie habe.

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Die Kriterien

EBIT Wachstum

DefinitionDas EBIT (Earnings Before Interests and Taxes) ist das Ergebnis vor Steuern und Zinsen und wird vielfach auch als „operativer Gewinn“ bezeichnet. Bei der Berechnung dieser Kennzahl werden alle nicht der eigentlichen betrieblichen Tätigkeit zuzuordnenden Aufwendungen eliminiert, wodurch ein unverzerrter Einblick in die tatsächliche geschäftliche Situation einer Gesellschaft möglich wird.
GrundDas EBIT gibt Aufschluss über die eigentliche operative Situation des Unternehmens. Abschreibungen und Steuern, die jährlich aufgrund von Sondereffekten das Ergebnis stark verzerren können, werden hier nicht berücksichtigt.
Durchschnittliches EBIT Wachstum 10J > 5%
Erwartetes durchschnittliches EBIT Wachstum 3Je > 5%

Gewinnwachstum (EPS)

DefinitionDas Gewinnwachstum (EPS) beschreibt die prozentuale Veränderung des Gewinns pro Aktie (earnings per share) im Zeitablauf.
GrundAm Ende des Tages ist es entscheidend, welcher Gewinn durch ein Unternehmen erwirtschaftet wird. Nur diejenigen Unternehmen, die langfristig steigende Gewinne vorweisen können, führen zu nachhaltig hohen Renditen für uns Aktionäre.
Unternehmen, die in der Vergangenheit erfolgreich waren haben bewiesen, dass sie langfristig profitabel sind. Es gibt sicherlich auch Anleger, die bewusst in Unternehmen investieren, die in der Vergangenheit ggf. einen Verlust eingefahren haben und dabei auf einen Turnaround spekulieren. Ich möchte aber nicht spekulieren, sondern investieren. Daher suche ich Unternehmen mit wachsenden Gewinnen.
Durchschnittliches Gewinnwachstum pro Aktie 10J > 5%
Erwartetes durchschnittliches Gewinnwachstum pro Aktie 3Je > 5%

Umsatzwachstum

DefinitionDas Umsatzwachstum beschreibt die prozentuale Veränderung des Umsatzes im Zeitablauf.
GrundSteigende Gewinne sind schön, keine Frage. Ich möchte allerdings auch in Unternehmen investieren, die sich in Märkten mit wachsender Nachfrage bewegen bzw. denen es steig gelingt, neue Marktanteile zu gewinnen. Daher ist es mir – neben steigenden Gewinnen – auch wichtig, dass der Umsatz kontinuierlich zulegt.
Durchschnittliches Umsatzwachstum 10J > 5%
Erwartetes durchschnittliches Umsatzwachstum 3Je > 5%

Eigenkapitalquote


Definition
Die Eigenkapitalquote setzt das Eigenkapital eines Unternehmens ins Verhältnis zu dessen Gesamtkapital. IdR. gilt, je höher die Eigenkapitalquote, desto höher sind Bonität und finanzielle Stabilität. Zugrunde gelegt wird die durchschnittliche EK-Quote der letzten drei Jahre.

Grund
Mir ist es wichtig, dass das Unternehmen über eine hohe EK-Quote verfügt. Eine hohe Verschuldung stellt ein großes Risiko dar. Steigen beispielsweise die Zinsen, so erhöhen sich die Zinskosten für das Unternehmen. Dies kann schnell dazu führen, dass das Unternehmen in Krisenzeiten in eine Schieflage gerät. Ich möchte daher in Unternehmen investieren, die auch während wirtschaftlicher schlechter Zeiten nicht in finanzielle Nöte geraten.
EK > 25%

Eigenkapitalrendite

DefinitionAls Eigenkapitalrendite wird das Verhältnis des Gewinns eines Unternehmens zum Eigenkapital bezeichnet. Analog zur Verzinsung einer Kapitalanlage kann die Eigenkapitalrendite als Zinsertrag des Eigenkapitals aufgefasst werden.
GrundJe höher die Eigenkapitalrendite ist, desto wirtschaftlicher arbeitet ein Unternehmen mit meinem investierten Geld.
> 10%

EBIT Marge

DefinitionDie EBIT-Marge stellt das Verhältnis von EBIT zu den Umsatzerlösen eines Unternehmens dar.
GrundDie EBIT-Marge zeigt, wie profitabel ein Unternehmen ist. Sie drückt den Spielraum aus, den ein Unternehmen bei der Preisgestaltung hat – also die Größe des Puffers. Mit einer hohen Marge lassen sich Umsatzrückgänge leichter abfedern. Deshalb sind hohe Margen eine gute Absicherung gegen schlechte Zeiten und ein Qualitätskriterium für eine Aktie, die langfristig gehalten werden soll.
> 10%

Historische Kursentwicklung

DefinitionHierbei wird schlicht und einfach auf die Entwicklung des Aktienkurses über die letzten drei Jahre geschaut.
GrundAm Ende des Tages geht es bei der Investition in Aktien darum, die größtmögliche Rendite zu erzielen. Diese setzt sich bei Aktien im Wesentlichen aus den erzielten Kursgewinnen und der Dividende zusammen.
Aktien, die sich in den letzten drei Jahren nicht vom Fleck bewegt oder gar Kursverluste erlitten haben, sind für mich eher unattraktiv.
Kursgewinn 3J > 25%

Zukunftsfähiges Geschäftsmodell

DefinitionZukunftsfähig ist ein Geschäftsmodell für mich dann, wenn sich das Unternehmen
– in einem wachsenden Markt befindet und
– das Unternehmen nach meiner Einschätzung in 10 Jahren bei normalem Konjunkturverlauf mit großer Wahrscheinlichkeit besser dastehen wird als heute
GrundIch möchte mein Geld langfristig investieren. Deshalb setze ich nur auf Unternehmen mit guten Aussichten für die Zukunft.
Einstufung des Geschäftsmodells als zukunftsfähig

Burggraben

DefinitionVon einem Burggraben spricht man, wenn ein Unternehmen gegenüber anderen Unternehmen einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil hat.
GrundUnternehmen, die nicht über den Preis mit den Wettbewerbern konkurrieren müssen, haben einen entscheidenden Vorteil. Sie können höhere Gewinne erzielen und müssen nicht die Preise senken, wenn ein anderer Wettbewerber dasselbe Produkt günstiger anbietet. Beispiele für einen Burggraben sind u.a.:
– Starke Marken
– Hohe Wechselkosten (Geld oder Zeit)
– Patente
– Niedrigste Herstellungskosten
– Monopol oder Oligopol
– Hohe Netzwerkeffekte
Unternehmen verfügt über einen tiefen Burggraben
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Weitere Kennzahlen für Wachstumsaktien

Sofern Unternehmen keine oder nur eine sehr geringe Dividende ausschütten (aktuelle Dividendenrendite < 1%), betrachte ich die folgenden beiden Kennzahlen:

Price-Earning to Growth-Ratio (PEG)

DefinitionDie Kennzahl Price-Earning to Growth-Ratio (PEG) setzt das aktuelle KGV in Relation zum erwarteten Gewinnwachstum im kommenden Geschäftsjahr.
GrundDie PEG-Ratio kann dabei helfen, unter- und überbewertete Aktien zu erkennen. Gegenüber dem KGV, das bei Wachstumsunternehmen oftmals nur bedingt aussagekräftig ist, bringt es eine zusätzliche Komponente ein: Die erwartete Wachstumsrate.
PEG < 2

Rule of 40

DefinitionDie Kennzahl berechnet sich nach folgender Formel:
Rule of 40 Score = Umsatzwachstum + Free Cash Flow Marge
GrundDie Rule of 40 ist eine einfache Kennzahl, um die Effizienz des Wachstums eines Unternehmens und somit die Güte des Geschäftsmodells einschätzen zu können. Je höher der Wert ist, umso besser ist das Geschäftsmodell des Unternehmens. Werte über 40 werden als attraktiv angesehen (daher der Name „Rule of 40“).
Rule of 40 Score > 40%

Weitere Kennzahlen für Dividendenaktien

Sofern Unternehmen bereits laufend Dividenden ausschütten und es sich hierbei nicht lediglich um eine „Alibi-Dividende“ handelt (aktuelle Dividendenrendite > 1%), betrachte ich die folgenden vier Kennzahlen.

Für jede Kennzahl, die das Unternehmen erfüllt, werden je 0,5 Punkte (also maximal 2 Punkte, sofern alle vier Kriterien erfüllt werden) vergeben.

Dividendenkontinuität
Dividende wurde mindestens 10 Jahre lang nicht gesenkt
Ausschüttungsquote
Maximal 75% der Gewinne dürfen ausgeschüttet werden
Dividendenrendite
Diese muss mindestens 1% betragen
Dividendenwachstum
Das Unternehmen muss die Dividende in den letzten 10 Jahren durchschnittlich um mindestens 5% pro Jahr erhöht haben
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Bewertung der Aktie

Aktien mit einer hohen Punktzahl sind grundsätzlich sehr interessant. Dennoch bedeutet dies nicht automatisch, dass sie kaufenswert sind. Auch überdurchschnittlich gute Aktien können – wenn sie teuer eingekauft wurden – eine unterdurchschnittliche Rendite einbringen. Daher schaue ich in einem weiteren Schritt auf die Bewertung der Aktie.

Ob eine Aktie gerade günstig oder teuer ist, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. An der Börse wird die Zukunft gehandelt – und diese kann niemand vorhersagen – schon gar nicht ich 🙂

Um das gleich klar zustellen: Ich möchte mir nicht anmaßen zu sagen, dass ich den genauen Wert einer Aktie bestimmen kann.

Um dennoch für mich grob einschätzen zu können, ob eine Aktie gerade tendenziell günstig oder teuer ist, nutze ich verschiedene Bewertungsmodelle, die teilweise auch zu unterschiedlichen Ergebnissen führen können. Daher können alle Bewertungsmodelle nur als Näherung verstanden werden. Wenn es die perfekte Berechnungsmethode gäbe, würde damit schließlich jeder reich werden…

Das KGV-Modell

Für die Berechnung des fairen Wertes nach dem KGV Modell vergleiche ich zunächst das historische mit dem aktuellen Kurs Gewinn Verhältnis (KGV).

KGV = Aktienkurs / Gewinn pro Aktie

Der Berechnung des fairen Wertes liegt nun die Idee eines zeitlich konstanten KGVs zugrunde. Unterstellt man, dass das KGV für das Unternehmen im Zeitablauf mehr oder weniger konstant bleibt – also in etwa dem historischen KGV entspricht – müssen Steigerungen des Gewinns auch zwingend zu einer Steigerung des Aktienkurses führen.

Liegt das aktuelle KGV allerdings unter dem historischen KGV, wird stattdessen das aktuelle (niedrigere) KGV herangezogen – es erfolgt somit eine konservative Betrachtung.

Das Modell berechnet zunächst den erwarteten Aktienkurs in 9 Jahren unter Berücksichtigung der erwarteten Gewinnentwicklung. Dieser wird dann auf den heutigen Tag unter Berücksichtigung der jährlichen Renditeerwartung abgezinst.

Der faire Wert wird anhand folgender Formel berechnet:

(Erwartetes EPS Wachstum +1)^9 Jahre x EPS aktuell x KGV / 1,1^9 Jahre

Vom so ermittelten Wert wird noch eine MOS (Margin of Safety) in Höhe von 5% abgezogen.

Warum wird durch 1,1 geteilt? Dieser Wert setzt sich aus 1 und der Renditeerwartung zusammen. Beim Wert von 1,1 habe ich somit eine Renditeerwartung von 10% (0,1).

Renditeerwartung

Hierbei versuche ich zu ermitteln, mit welcher Rendite ich langfristig bei diesem Investment rechnen kann.

Die zu erwartende Rendite setzt sich aus

  • dem erwarteten Gewinnwachstum und
  • der Free Cash Flow Rendite

zusammen.

Die Free Cash Flow Rendite errechnet sich aus dem Verhältnis von Free Cash Flow zur Marktkapitalisierung. Sie gibt Aufschluss darüber, welche finanziellen Mittel dem Unternehmen tatsächlich zur Verfügung stehen bzw. mit welcher Rendite der Aktionär hier rechnen kann. Denn der Free Cash Flow kann entweder zur Zahlung der Dividende, für Aktienrückkäufe oder für die Tilgung von Schulden verwendet werden. Alle diese drei Verwendungszwecke bestimmen die Rendite für den Aktionär.

Vergleich zu historischer Bewertung

Eine weitere Möglichkeit stellt der Vergleich zu historischen Kennzahlen dar.

  • Ist die aktuelle Dividendenrendite gerade größer oder geringer als der historische Durchschnitt der letzten 10 Jahre?
  • Wie verhält es sich mit dem aktuellen KBV, KUV, KGV?
  • Wie ist das Verhältnis von Enterprise Value zum Umsatz / Gewinn?
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Zusammenfassung

Theoretisch kann eine Aktie durch die Scorecard einen Wert zwischen Null und 14 erzielen, wobei Null das denkbar schlechteste Ergebnis und 14 das bestmögliche Ergebnis darstellt.

Durch diese Scorecard bin ich in der Lage, aus den vielen Aktien diejenigen herauszufinden, die über eine besonders hohe Qualität verfügen.

Dabei bedeutet ein Score von 14 nicht automatisch, dass die Aktie eine besonders hohe Renditeerwartung aufweist. Hierzu ist immer noch die aktuelle Bewertung zu prüfen.

Sicherlich ist die Finanzzauber Scorecard nicht perfekt – das gilt jedoch für jedes Bewertungsmodell. Für mich zeichnet sie sich jedoch durch eine einfache Handhabung und die Reduzierung der Komplexität auf das Wesentliche aus.

Zudem bietet das Modell für mich ein ausgewogenes Verhältnis von historischen Daten und zukunftsorientierten Schätzungen, das jeden Privatanleger in die Lage versetzen kann, in kurzer Zeit und mit vergleichsweise wenig Aufwand gute Aktien zu finden.

Schließlich macht die Aktienbewertung viel Spaß und hilft mir dabei, das Unternehmen besser kennenzulernen und zu verstehen.

Auf ein zauberhaftes Gelingen, euer Finanzzauber

Hinweis

Die vorgestellte Scorecard stellt nur meine persönliche Meinung und Strategie dar. Es handelt sich nicht um eine Aufforderung zu Kauf oder Verkauf von Wertpapieren, Anlageberatung oder Steuerberatung. Ich kann daher keine Haftung dafür übernehmen, wenn du Ideen aus diesem Artikel für deine eigenen Investmententscheidungen nutzt. Auch erhebe ich keinen Anspruch auf Aktualität, Korrektheit und Vollständigkeit der hier dargestellten Informationen, auch wenn ich diese nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt habe. Wertpapierkäufe sind immer mit Risiken verbunden, die u.U. auch zu einem Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Bei der Auswahl von Wertpapieren solltest du dir daher immer eine eigene Meinung bilden.

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