Nach der Visa Analyse letzte Woche möchte ich heute eine weitere Aktie aus meinen Depot genauer vorstellen. Es handelt sich dabei um eine wahre Cash Cow mit hohen jährlichen Dividendensteigerungen – ideal für Einkommensinvestoren und alle diejenigen, die eine Dividendenwachstumsstrategie verfolgen: HeidelbergCement.

Das Geschäftsmodell

HeidelbergCement gehört zu den weltweit größten Baustoffunternehmen. Das Kerngeschäft umfasst die Herstellung und den Vertrieb von Zement, Zuschlagstoffen, Transportbeton und Asphalt. Darüber hinaus bietet HeidelbergCement Dienstleistungen wie beispielsweise den weltweiten Handel mit Zement und Kohle auf dem Seeweg an.

Das Unternehmen liefert damit Produkte, die für den Bau von Häusern, Verkehrswegen, Infrastruktur, Gewerbe- und Industrieanlagen benötigt werden und bedient damit die Nachfrage einer wachsenden Weltbevölkerung nach Wohnraum, Mobilität und wirtschaftlicher Entwicklung.

HeidelbergCement ist auf fünf Kontinenten tätig. Für das Geschäft mit Beton und Zement ist es dabei besonders wichtig, dass die Produktion in der Nähe des Absatzmarktes durchgeführt wird. Dies liegt am hohen Gewicht von Zement und Beton und den damit verbundenen hohen Transportkosten. Nach Angaben von HeidelbergCement beträgt der Transportradius auf der Straße grundsätzlich weniger als 200 km bei Zement und weniger als 100 km bei Zuschlagstoffen, Transportbeton und Asphalt.

Mit seinen weltweit mehr als 140 Zementwerken, rund 600 Steinbrüchen und Kiesgruben und über 1.470 Produktionsstätten für Transportbeton in 60 Ländern stellt HeidelbergCement somit sicher, dass man nah bei Kunden ist und die nachgefragten Baustoffe zu attraktiven Kosten liefern kann.

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HeidelbergCement – Die Kennzahlen

Bei Anwendung der Finanzzauber Scorecard erhält das Unternehmen einen Wert von 8.

Schwache Performance in den letzten 10 Jahren

4 Punkte gehe insbesondere aufgrund der eher schwachen Kennzahlen der letzten 10 Jahre verloren. So konnte man lediglich ein kleines Wachstum beim Umsatz von weniger als 3% pro Jahr erzielen, der operative Gewinn sowie der Gewinn pro Aktie waren auf Zehnjahressicht sogar negativ. Bei diesen Kennzahlen ist es klar, dass sich auch der Aktienkurs nicht von der Stelle bewegt hat. In den letzten drei Jahren war die Kursentwicklung negativ, so dass Anleger mit dieser Aktie – trotz eine durchschnittlichen Dividendenrendite von 2,62% – einen Verlust erzielt haben. Dies ist besonders negativ, da der allgemeine Aktienmarkt in den letzten drei Jahren sehr gut gelaufen ist.

Warum sind die Kennzahlen so schlecht?

Der Ausbruch der Finanzkrise brachte HeidelbergCement im Jahr 2009 an den Rand der Insolvenz. Bis dahin liefen die Geschäfte gut, der Beton- und Zementmarkt war von zahlreichen Übernahmen geprägt.

So entschied man im Jahr 2007 den britischen Hanson-Konzern zu übernehmen. Die Übernahme wurde überwiegend mit Schulden finanziert (teilweise Kredite mit kurzer Laufzeit) – im Jahr 2007 sah es noch so aus, als ob sich der Konzern dies leisten könnte. Dann kam die Finanzkrise und drohte den Baustoffkonzern aufgrund der enormen Schuldenlast unter sich zu begraben.

Die Zinsen stiegen, die Beschaffung von Fremdkapital wurde zunehmend schwieriger, die Konjunktur lag darnieder. Um eine Insolvenz abzuwenden, mussten Kredite mit sehr hohen Zinskosten aufgenommen werden, die den Gewinn in den folgenden Jahren vollständig aufgezehrt haben. So betrug der Gewinn pro Aktie im Jahr 2007 noch 17,11 Euro, im Jahr 2009 nur noch 0,3 Euro. Für 2018 betrug der Gewinn 5,67 Euro.

Positiver Blick in die Zukunft

Für HeidelbergCement war es somit ein verlorenes Jahrzehnt. Allerdings ist es dem Unternehmen – Dank der hohen Cashflows, die das Unternehmen Jahr für Jahr erwirtschaftet – nun gelungen, die Schuldenlast auf ein akzeptables Niveau zurückzufahren.

Die Zinslast wird stetig geringer, so dass nun jedes Jahr mehr vom Gewinn für die Aktionäre übrigleibt.

Betrug die Dividende im Jahr 2009 gerade einmal 0,12 Euro pro Aktie, so erhielten die Aktionäre im Jahr 2018 stattliche 2,1 Euro. Dies entspricht einer durchschnittlichen Dividendenerhöhung von 33% pro Jahr und einer Dividendenrendite von über 3 Prozent – Tendenz weiter steigend.

Die Wachstumsaussichten sind überzeugend. Man kann davon ausgehen, dass sich Umsatz und Gewinn weiter positiv entwickeln.

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Chancen – tiefer Burggraben

Durch die große Zahl von Werken und Produktionsstätten sowie den hohen Transportkosten für Zement und Beton verfügt HeidelbergCement über einen tiefen Burggraben. Die hohen Transportkosten verhindern, dass sich Kunden für die Produkte eines weiter entfernt gelegenen Konkurrenzwerkes entscheiden. HeidelbergCement kann somit höhere Preise durchsetzen.

Zudem bestehen sehr hohe Markteintrittsbarrieren. Es ist wohl eher unwahrscheinlich, dass neue Wettbewerber auf den Markt drängen, da hierfür ein enormer Kapitalbedarf erforderlich wäre.

Auch im Vergleich zu den bestehenden Wettbewerbern sehe ich wenig Risiken. Der Markt war in der Vergangenheit von vielen Übernahmen geprägt. Verblieben sind einige wenige große Konkurrenten. Ein hohes Risiko aufgrund aggressiver Preiskämpfe ist jedoch aufgrund der oben angesprochenen hohen Transportkosten nicht zu erwarten. Um HeidelbergCement hier gefährlich zu werden, müssten die Konkurrenten schon zahlreiche neue Werke bzw. Produktionsstätten eröffnen, womit wohl eher nicht zu rechnen ist.

Mittel- und langfristig sieht der Vorstand Chancen für den Anstieg der Nachfrage nach Baustoffen für den Wohnungs-, Wirtschafts- und öffentlichen Bau aufgrund steigender Bevölkerungszahlen, einer Zunahme des Wohlstands und des anhaltenden Trends der Urbanisierung insbesondere in den Wachstumsmärkten der Schwellenländer.

Risiken – Nachlassender Bauboom?

Die weltweite Entwicklung der Baustoffnachfrage ist sowohl Chance als auch Risiko. Sie hängt von verschiedenen Faktoren ab: Bevölkerungswachstum mit steigendem Bedarf an Wohnraum, Wirtschaftswachstum, zunehmende Industrialisierung und Urbanisierung sowie der erhöhte Bedarf an Infrastruktur.

Bei einem Abkühlen der Weltwirtschaft und einem damit einhergehenden Nachlassen des Baubooms könnte sich daher auch die Nachfrage nach Zement und Beton einschränken. In Deutschland sind wir beispielsweise gerade knapp an einer (technischen) Rezession vorbeigeschrammt. Allerdings ist HeidelbergCement global gut aufgestellt und in nahezu allen Märkten gleichmäßig vertreten.

Temporäre Nachfragerückgänge in einzelnen Märkten sollten daher gut ausgeglichen werden können.

Zusätzlich kann ich mir auch gut vorstellen, dass Regierungen bei Eintreten einer Rezession staatliche Konjunkturprogramme aufsetzen werden und Geld in den Ausbau der Infrastruktur investieren, wovon dann wiederum HeidelbergCement profitieren würde.

Kurzfristige Gewinneinbrüche sind zwar nicht auszuschließen. Langfristig sollte jedoch die Nachfrage nach Produkten von HeidelbergCement steigen. Zudem sehe ich nicht, dass Zement oder Beton in absehbarer Zeit durch andere Produkte vom Markt verdrängt werden.

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Bewertung

Vergleich KGV aktuell / historisch

Die Aktie erscheint im historischen Vergleich günstig bewertet zu sein. So beträgt das aktuelle KGV 10,66 und liegt deutlich tiefer als im Schnitt der letzten 10 Jahre (17).

KGV Modell – 11 % Renditeerwartung

Nach dem KGV Modell ergibt sich unter Berücksichtigung des erwarteten Gewinnwachstums beim derzeitigen Kurs von 66,84 Euro eine erwartete Rendite von 11% pro Jahr.

Für meine Investitionen habe ich eine jährliche Renditeerwartung von mindestens 10%. Legt man diese zugrunde, ergibt sich ein fairer Wert von 69 Euro. Bezogen auf meine 10%ige Renditeerwartung erscheint die Aktie daher ebenfalls unterbewertet.

Vereinfachtes DCF Modell – 15% Renditeerwartung

Der Unternehmenswert (und damit auch der Wert der Aktie) errechnet sich aus der Summe aller zukünftig zu erwartenden Zahlungsströme (Cashflows). Schließlich können die Cashflows für

  • Dividenden,
  • Aktienrückkäufe und/oder zur
  • Schuldentilgung

verwendet werden. Alle drei Verwendungsoptionen erhöhen die Rendite des Aktionärs.

Beim Discounted Cashflow Modell (DCF Modell) werden daher im ersten Schritt die zukünftigen Cashflows geschätzt. Da ein Euro in 10 Jahren weniger wert ist als ein Euro heute, werden die Cashflows auf den heutigen Tag abgezinst. So erhält man den Wert aller zukünftiger Cashflows am heutigen Tage. Teilt man den so berechneten Gesamtwert aller zukünftigen Cashflows durch die Zahl der im Umlauf befindlichen Aktien, erhält man den fairen Wert der Aktie zum heutigen Tag.

Der Free Cash Flow beträgt auf 12 Monatssicht kann 1,7 Mrd. Euro. Unterstellt man ein langfristiges nachhaltiges Gewinnwachstum von 4,5% (laut Schätzung der Analysten soll das Wachstum für die kommenden drei Jahre bei gut 11,5% liegen…), erhält man bei einer 10%igen Renditeerwartung einen fairen Wert knapp 120 Euro. Beim derzeitigen Kurs ergibt sich eine jährliche Renditeerwartung von knapp 15%!

Dividenden-Diskont-Modell

Auch mit Blick auf die Dividende erscheint die Aktie unterbewertet. Unterstellt man ein erwartetes Dividendenwachstum von 10% für die kommenden Jahre, so ergibt sich – ausgehen von der letzten Dividende für 2018 iHv. 2,1 Euro pro Aktie beim derzeitigen Kurs eine Rendite von ca. 13% und damit mehr als die von mir gewünschten 10%.

Renditeerwartung = Dividende / Aktienkurs + Dividendenwachstum

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Zusammenfassung

Es spricht viel dafür, dass die Aktie von HeidelbergCement kaufenswert ist. Anleger können hier mit einer überdurchschnittlichen Rendite rechnen. Dem Unternehmen ist es gelungen, die dramatische Schuldensituation in den Griff zu bekommen. Aktionäre mussten zwar lange Zeit auf ihre Rendite verzichten, sollten jedoch nun dafür entschädigt werden. HeidelbergCement ist eine Cash Cow, die diese Cash Flows nun in Form von jährlich steigenden Dividendenzahlungen an die Aktionäre weitergibt.

Mein Kauf

Ich habe am 01.11.2019 14 Aktien von HeidelbergCement zum Kurs von 66,80 Euro – also insgesamt für 935,20 Euro – in das Finanzzauber Depot gekauft.

Was ist deine Meinung zu HeidelbergCement? Schreibe es mir gerne in die Kommentare.

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Hinweis: Den Beitrag habe ich nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Es handelt sich hierbei lediglich um meine Einschätzung als Privatanleger und keinesfalls um eine Empfehlung zu Kauf oder Verkauf von Wertpapieren, Anlageberatung oder Steuerberatung. Der Beitrag dient ausschließlich Informationszwecken. Ich kann daher keine Haftung für die Korrektheit, die Vollständigkeit oder die Aktualität der Informationen übernehmen.

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